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Kleines Katzen-ABC

Kaum ein Tier polarisiert mehr als die Katze. Von den einen geliebt, von den anderen abgelehnt. Wer sein Leben mit einem Stubentiger teilt, weiß wie liebenswert die Samtpfoten sind. 

Arrogante Schnösel!?

Katzen gelten allgemein als Arrogant. Keine Charaktereigenschaft die dazu geeignet ist, sich Freunde zu machen.

Katzen sind jedoch nicht hochnäsig, sondern eben sehr selbstbewusst. Sie lassen sich zu nichts überreden oder gar zwingen. Ungestüme Annäherungsversuche um sie zu streicheln quittieren sie mit einem eleganten Sprung auf die nächst höher gelegene Stelle und einem kühlen Blick aus gelb-goldenen Augen. Dieser Blick soll nicht sagen „Du bist mir nicht gut genug“, sondern „Lass uns langsam machen, wir kennen uns doch überhaupt nicht“, oder, „Jetzt bitte nicht, später gerne“.

Den gleichen Blick vergeben die Samtpfoten wenn der Mensch etwas verbietet. Dann sagt dieser Blick „Ich beuge mich der Übermacht – aber sehr sehr ungerne!“. Katzen sind nun einmal keine Befehlsempfänger, sondern kleine Anarchisten, die gerne selbst über ihr Tun entscheiden. Aber macht sie eben nicht genau das so liebenswert!?

Unerziehbar!?

Viele Menschen sind der Meinung, eine Katze ist nicht erziehbar. Nun, wenn man den direkten Vergleich mit einem Hund heranzieht, mag das durchaus stimmen. Aber jeder der schon einmal eine Katzen-Mama mit ihrem Nachwuchs beobachtet hat weiß, in der Katzen-Kinderstube geht es durchaus autoritär zu.

Die Himmelsgeduld einer Katzen-Mutter ist durchaus beneidenswert. Scheinbar macht es ihr überhaupt nichts aus, dass die kleinen ihr immer und immer wieder bei der Jagd nach ihrem Schwanz die kleinen Krallen in den selbigen hauen. Aber nur scheinbar. Irgendwann ist es auch der geduldigsten Mutter zu viel und sie sucht sich ein anderes Plätzchen. Den kleinen Plagegeistern ist dies freilich egal und sie folgen prompt. Es kann ihnen aber jetzt passieren, dass sie mit einem unfreundlichen Fauchen begrüßt werden. Lässt sich der kleine Stubentiger davon nicht beeindrucken, kann es auch heftiger zur Sache gehen.

So lernt die kleine Katze die Spielregeln im Umgang mit ihren Artgenossen. Und hierbei steht Höflichkeit und Respekt an oberster Stelle. Erwachsene Katzen die zusammen in einem Haushalt leben führen kein Rudel-Leben wie Hunde. Es gibt keine Hierarchie, sondern mehr eine friedliche Nachbarschaft. Natürlich nur so lange, wie sich alle an die Regeln der Höflichkeit halten.

Eine Katze kann auch Regeln vom Mensch erlernen, allerdings ist hier der Ton ausschlaggebend. Mit Befehlen wie vom Kasernenhof erreichen Sie bei ihrer Katze überhaupt nichts. Katzen haben ein feines Gespür dafür wie ernst es dem Mensch ist. Und wenn sich ihre Katze ein absolut ungeeignetes Spielzeug ausgesucht hat und will auch nicht auf gutes Zureden davon ablassen, sollten Sie es wie die Katzen-Mama machen. Pusten Sie der Katze kurz ins Gesicht, dass interpretiert sie als Fauchen. Sie sollten allerdings nur im absoluten Notfall „Fauchen“. Wollen Sie auf diese Weise ihrer Katze alles verbieten, wird sie schnell lernen eine unbeobachtete Minute abzuwarten. Besonders beliebt sind dann die Nachtstunden. Da kann es am Morgen so manch unliebsame Überraschung für den Mensch geben.

Höflichkeit ist Trumpf!

Katzen sind Meister der Diplomatie. Höflichkeit und Respekt im Umgang mit ihren Artgenossen steht an oberster Stelle. Katzen kommen sich deshalb nur selten ins Gehege, weil sie sich an bestimmte Spielregeln halten.

Freilaufende Katzen informieren ihre Artgenossen durch Duftsignale wann und wo sie bevorzugt auf die Pirsch gehen. Für die anderen also reine Ehrensache dieses Revier dann erst wesentlich später zu erkunden.

Auch müssen Katzen nicht immer und überall ihre Überlegenheit zur Schau stellen. Viel öfter übersehen sie einen eindeutig unterlegenen Artgenossen, was diesem einen würdevollen Rückzug ermöglicht.

Diese Regeln der Höflichkeit und ihren umgänglichen Charakter bringen Katzen natürlich auch in die Mensch-Katze-Beziehung mit. Und diese Verbindung ist perfekter als so mancher glauben mag, denn Katzen und Menschen teilen so einiges an Vorlieben und Abneigungen.

Krach, Lärm und Hektik  - das ist nichts für Katzen. Die Luft für lauthals geschriene Kommandos dürfen Sie sich getrost sparen. Viel empfänglicher sind Katzen für sanft vorgetragene Vorschläge Ihrerseits. Dafür scheinen sie ganz besonders gute Antennen zu haben und reagieren oft wie vom Mensch gewünscht.

Überraschende Berührungen durch den Mensch mögen Katzen überhaupt nicht. Sie möchten vorab angesprochen werden und die Hand die sie streicheln möchte beschnüffeln. Ist es der Katze dann gerade genehm, lässt sie sich gerne ausgiebig Kraulen. Möchte sie nicht, wird sie sich respektvoll einen anderen Platz suchen. Sie sollten das unbedingt akzeptieren, denn Katzen brauchen eben hin und wieder Distanz.

No-Go´s!

Viele Menschen versuchen eine Katze durch zurufen anzulocken. Dabei schauen sie die Katze natürlich an. Was bei uns Menschen als höflich gilt, also seinem Gegenüber auch in die Augen zu schauen, ist für Katzen absolut respektlos.

Katzen blinzeln sich bestenfalls an, oder schauen umher. Auf jeden Fall meiden sie den direkten Blickkontakt, denn dieser gilt als Provokation und Drohung. Starren Sie ihre Katze also niemals an, sie mag es nicht.

Für grobe Neckereien, wie am Schwanz ziehen, sind Katzen ebenfalls nicht zu haben.

Bei wichtigen Geschäften wie einem Nickerchen, dem Fressen und der Körperpflege möchten Katzen nicht gestört werden. Ist doch durchaus verständlich, der Mensch möchte es auch nicht.

Gegen ihren Willen festhalten darf man eine Katze nur zu ihrem eigenen Wohl, also beim Tierarzt oder um sie aus einer Gefahrenzone zu befördern. Doch Vorsicht dabei! Die Krallen einer Katze sind extrem scharf! Kommt eine Katze zu ihnen und streicht um ihre Beine, springt auf ihren Schoss, können Sie die Katze natürlich ohne jede Gefahr auf den Arm nehmen, denn sie will es ja!    

Katzen wollen Kratzen!

Menschen die sich nicht eben als Katzenfreunde bezeichnen behaupten oftmals, eine Katze würde auf lange Sicht die gesamte Wohnung demolieren. Zerkratzte Sofas und Wände währen völlig normal.

Nun, dass stimmt nicht. Auch wenn das Kratzen, dass Krallenschärfen, für Katzen sehr wichtig ist, und ein Zeichen das sie sich ganz zuhause fühlen, so muss nicht das Sofa als Kratzbaum herhalten.

Voraussetzung ist natürlich das Sie eine geeignete Stelle zum Kratzen anbieten, am besten mehrere. Ertappen Sie ihren Stubentiger auf frischer Tat wie er einen anderen Gegenstand als Kratzstelle missbraucht, sagen Sie deutlich „Nein“ und tragen ihn umgehend an die erlaubte Kratzstelle. Um der Samtpfote zu verdeutlichen das sie hier ungestört Kratzen darf, können Sie ihre Pfote vorsichtig an den Kratzbaum führen.

Verwöhnte Feinschmecker!?

Katzen bekommen oftmals unterstellt, sie wüssten das gute Futter des Menschen nicht zu schätzen. Zu allem Überfluss würden sie es auch in der gesamten Wohnung verteilen. Letzteres kann durchaus vorkommen, denn im Gegensatz zu uns Menschen, dürfen Katzen mit dem Futter spielen. Denn nur wer es spielerisch lernt, wird als große Katze ein erfolgreicher Jäger sein. Es steckt also durchaus in den Genen unserer Katzen, hin und wieder mit dem Futter zu spielen. Nicht ärgern, es ist nicht böse gemeint.

Warum so viele Katzen mit ihrem Futter so wählerisch sind, ist hingegen nicht eindeutig geklärt. Auffällig scheint jedoch, dass Katzen die von klein auf mit industriell gefertigtem Alleinfutter, ob nun trocken oder nass, gefüttert wurden, besonders auf dieses eine Futter fixiert sind. Dies mag an den enthaltenen Lockstoffen liegen, die der Katze eine besonders schmackhafte Mahlzeit versprechen. Fehlen diese plötzlich, weil ein anderes Futter angeboten wird, verschmäht es die Katze und hungert lieber einen Tag.

Kommunikation

Katzen kommunizieren viel mit dem Mensch, oder besser gesagt, sie versuchen es. Denn nicht jeder Mensch erkennt die Kommunikationsversuche seiner Katze. Eine Katze hat verschiedene Kommunikationskanäle.

Zum einen sind es Laute wie Schnurren oder Miauen. Allgemein gilt das Schnurren einer Katze als Zeichen des Wohlfühlens. Eine Katze schnurrt aber auch um sich selbst zu beruhigen. Achten Sie also darauf ob ihre Katze beim Schnurren absolut entspannt ist. Wirkt sie angespannt und wie auf dem Sprung, so empfindet sie die Situation als unangenehm und setzt das Schnurren ein, um sich selbst zu beruhigen.

Das Miauen kennt viele verschiedene Laute. Achten Sie darauf, wie ihre Katze das Miauen einsetzt. Es kann ein Rufen sein, Zeichen des Protestes aber auch die Vorfreude auf ein leckeres Frühstück.

Die Körpersprache ist bei Katzen ebenfalls sehr ausgeprägt. Geht ihre Katze mit erhobenem Schwanz vor ihnen her, so heißt das „Bitte folgen – ich zeig dir was“. Das umstreichen der Beine kennt jeder Katzenhalter. Hier möchte die Katze ihre Aufmerksamkeit.

Jede Katze hat ihren bevorzugten Kommunikationskanal. Es liegt an ihnen zu erkennen, was ihre Katze ihnen vermitteln möchte.

Das ideale Haustier!

Für Menschen mit wenig Zeit und vielen Hobbys die sie außer Haus führen, ist eine Katze nicht das ideale Haustier. Denn auch Katzen brauchen Aufmerksamkeit, Unterhaltung und Führsorge.

Wenn Sie berufstätig sind, sollten Sie der Katze die Möglichkeit bieten, am Tag im freien zu streunen. Denn eine einzelne Katze möchte nicht den ganzen Tag eingesperrt und somit ohne jede Betätigung und Anregung sein. Früher oder später wird sich die aufgestaute Energie entladen – eine wahre Zerstörungsorgie kann die Folge sein. Auch sollten Sie nicht unbedingt damit rechnen, dass ihre Katze zu den ihnen genehmen Zeiten ihre Aufmerksamkeit möchte. Wenn Sie den ganzen Tag keine Zeit für sie hatten, dann kann es durchaus passieren, dass die Katze am Abend wichtigeres zu tun hat.

Idealer Weise lebt Ihre Katze in einem Haushalt mit den ganz normalen Tagesabläufen. Kaum sind alle aus dem Haus, kommen die ersten Kinder wieder aus der Schule zurück. Am Nachmittag ist auch immer etwas los – Besuch kommt, es wird geputzt und gekocht. Am Abend versammelt sich die ganze Menschenfamilie wieder im Haus. So kann sich die Katze am Familienleben beteiligen, kann sich aber auch ein ruhiges Plätzchen suchen. Ganz wie es ihr beliebt.   

Liebenswerte Zeitgenossen!

Wie unsere kleine Serie gezeigt hat, bestehen viele falsche Vorurteile die unsere Katzen in ein völlig falsches Licht rücken. Wer nicht den Fehler macht, und eine Katze wie einen Hund behandelt, oder das gleiche wie von einem Hund erwartet, wird sich unsterblich in die lautlosen Jäger auf Samtpfoten verlieben.

Der ausgeglichene Charakter einer Katze kann regelrecht therapeutisch auf den Mensch wirken. Nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag hilft so manche Katze ihrem Mensch beim Abschalten und Entspannen, wenn sie sich schnurrend auf seinem Schoss räkelt und sich kraulen lässt. Katzenhalter kennen auch das gute Gefühl nachts zu erwachen, und eine leise schnurrende Katze schlafend neben sich zu finden.

Besser wie jeder Hollywood Film ist es, seiner Katze beim Spielen zuzusehen. Wie sie völlig regungslos unter dem Tisch lauert, um dann wie der Blitz einen am Boden liegenden Ball anzufallen. Gerne werden in dieses Spiel auch Artgenossen eingebunden, die dann mit einem hohen Bocksprung geschickt ausweichen. Katzenhalter mit wenig Erfahrung bleibt hin und wieder das Herz stehen, wenn die Stubentiger halsbrecherisch herumklettern. Aber keine Sorge, Katzen sind regelrechte Akrobaten. 

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